Interview mit Sven Aßmann

Interview mit Sven Aßmann

Sven Aßmann gilt mit seinem Pfeifenunternehmen als einer der Pfeifenexperten im Süden Deutschlands. Er ist als Importeur für Pfeifen und Pfeifen Zubehör aktiv. Außerdem hat er mehrere Eigenmarken wie Giordano Pfeifen oder die Accessoire-Marke Guy Janot ins Leben gerufen. Zu guter Letzt verkauft er die extrem billigen und trotzdem guten Bellini Pfeifen. Sebastian von der Sächsischen Pfeifenstube in Leipzig hat ihn im Januar 2026 interviewt:

Sebastian: Sag mal, welches Holz ist härter? Bruyèreholz oder Mooreiche?

Sven: Bruyèreholz ist härter und wird deshalb so häufig bei Pfeifen verwendet. Bruyereholz Pfeifen sind nach wie vor das Maß aller Dinge.

Sebastian: Warum verwendet man dann Mooreiche?

Sven: Mooreichenpfeifen geben die Hitze sehr gut nach außen ab und rauchen sich daher nicht so heiß. Die Bearbeitung ist sehr handwerklich. Da kommen keine Maschinen zum Einsatz. Häufig sind Mooreichen Pfeifen Unikate und so genannte Freehand Pfeifen.

Sebastian: Wie sieht es mit Olivenholz Pfeifen aus? Ich hatte gerade einen Kunden hier, der das Holz strikt abgelehnt hat und eine Bruyèreholz Pfeife haben wollte. Die Optik beim Olivenholz ist ja wunderbar, schön hell...

Sven: Die Olive hat eine sehr schöne Maserung, ist relativ leicht. Sie sorgt für einen leicht anderen Geschmack. Das Holz ist hitzebeständig. Da gibt es jedoch Unterschiede, je nachdem wo das Holz herkommt. In trockeneren Regionen entstehen die härteren Hölzer. Olivenholz Pfeifen sind meist heller, oft nur geölt. Insgesamt sind Olivenholz Pfeifen ziemlich geschmacksneutral, was sie sehr brauchbar macht.

Sebastian: Dann sind lackierte Pfeifen eher unvorteilhaft, da die Hitze beim Rauchen nicht so gut abweichen kann, oder?

Sven: Ja, lackierte Pfeifen raucht man als Anfänger schnell zu heiß und das ist schlecht für den Geschmack des Tabaks. Außerdem kann schnell Zungenbrand auftreten. Für erfahrene Pfeifenraucher stellt der Lack hingegen kein Problem dar. Er weiß damit umzugehen.

Sebastian: Wie sieht es mit Rustizierung aus? Dabei werden ja noch größere Rillen in den Pfeifenkopf gefräst als beim Sandstrahlen.

Sven: Rustizierung hat zwei Vorteile: Die mühsame Handarbeit sorgt für eine Oberflächenvergrößerung. Außerdem gibt es keine Kratzer wenn die Pfeife runterfällt.

Sebastian: Was ist gerade los bei den Pfeifen? Viele Lieferanten klagen über Schwierigkeiten. Gestern hat mir Michael von Henkel & Gärtner erst erzählt, dass es kaum gute Lesepfeifen zu kaufen gibt. Du hast auch über Schwierigkeiten in Italien geklagt...

Sven: Das ist ein großes Thema. Die Nachfrage ist sehr groß. Die traditionellen Ernten beim Heidebusch In Italien werden nur noch von 2-3 Betrieben durchgeführt. Das Holz aus Marokko ist schon wieder ganz anders, rötlicher. Die Bruyèrehölzer aus der Toskana, Kalabrien und Sardinien sind heller und damit besser zu beizen. Für Korsika in Frankreich gilt das übrigens auch.

Sebastian: Welche Tipps hast du für Einsteiger?

Sven: Keine lackierte Pfeife kaufen und keine aromatisierten Pfeifentabake rauchen. Erst mal reinen Virginia Tabak. Ein perfekter Pfeifentabak für Anfänger ist für mich der naturbelassene Virginia Tabak oder Virginia Tabak mit einer sanften Vanillenote. Bei der Pfeife sind Giordano Pfeifen super, wenn man Qualität wünscht, ansonsten empfehle ich Bellini Pfeifen, die sind unglaublich günstig. Für 50 Euro eine gute Bruyère-Pfeife, das ist kaum zu glauben und wird irgendwann auch ein Ende haben. Das italienische Holz der Bellini Pfeifen ist sehr hochwertig.

Sebastian: Wie sieht es mit Flake Tabak aus? Ist das ein guter Pfeifentabak für Einsteiger?

Sven: Ich persönlich mag den Flake Cut, aber einem Einsteiger würde ich den Tabak nicht empfehlen. Er ist schwieriger anzuzünden und dann auch am Glühen zu halten.

Sebastian: Wenn es kein hochwertiges Holz mehr für die Pfeifenproduktion gibt, wie werden sich dann die Preise entwickeln?

Sven: Die Asiaten entwickeln gerade einen Pfeifenmarkt und das macht sich stark bemerkbar. Die Preise steigen. Der Heidebusch existiert nicht in Asien. Also müssen die Asiaten nach Europa, um einzukaufen. Es gibt zudem immer weniger Menschen, die in den Wald gehen, um Pfeifen herzustellen. Daher braucht es neue Hölzer wie amerikanische Nuss, Mooreiche, Olive und Esche. Einige Vauen Pfeifen werden aus Esche hergestellt.

Sebastian: Was bringt mir das Walnussholz wenn ich dann einen Bruyèreholz-Einsatz habe?

Sven: Optik und Gewicht, Bruyère ist relativ schwer.

Sebastian: Was ist mit Meerschaumpfeifen los?

Sven: Das Geschäft haben die Türken voll in ihre Hand genommen. Sie sind dann mit den Preisen so über das Ziel hinausgeschossen, dass das Meerschaumpfeifen keinen Sinn mehr für den Handel machen. Daher gibt es in Deutschland kaum noch Meerschaum Pfeifen. In Eskişehir in der Türkei ist der Abbau auch relativ schwierig. Die Mooreiche ist eine super Alternative zur Meerschaumpfeife.

Sebastian: Gibt es eigentlich eine Saison für Pfeifenraucher? So wie bei Zigarren, die heute fast nur noch im Sommer geraucht werden.

Sven: Bei der Pfeife ist das nicht so stark. Tatsächlich geht es im Frühling wieder richtig los, wenn es wärmer wird. Das ist mit der Zigarre vergleichbar. Aber die Pfeife kann man ja auch wunderbar im Winter drinnen rauchen. Wenn die Frau nichts dagegen hat, wird drinnen weitergepafft. Im Sommer, wenn es richtig heiß ist, halten sich die Pfeifenraucher eher zurück. Zumindest ist das so mein Eindruck oder war das bisher so.

Sebastian: Vielen Dank für das informative Gespräch.

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