Wenn die Leipziger Volkszeitung über einen Abschied schreibt, dann ist das oft mehr als nur eine Nachricht – es ist ein Stück Stadtgeschichte. So auch beim Bericht über Lutz Merker, der nach 28 Jahren die Sächsische Pfeifenstube schließt beziehungsweise übergibt. Am Heiligen Abend um 14 Uhr, so schreibt die LVZ, fiel die schwere Holztür am Peterssteinweg 5 ein letztes Mal ins Schloss. Ein Moment, der vielen Stammkunden noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Lutz Merker hatte den Laden einst als Franchise von Pfeifen Heinrich aus Köln übernommen und daraus über fast drei Jahrzehnte eine Institution für Pfeifenraucher in Leipzig und ganz Sachsen gemacht. In seinem „Marschgepäck“, wie es die LVZ poetisch formuliert, befanden sich seine Lieblingspfeifen – darunter uralte Andreas-Bauer-Meerschaumpfeifen aus den 1950er-Jahren. Zurück blieb hingegen ein massives Stück Wurzelholz im Schaufenster: Bruyère-Rohmaterial, Sinnbild für Handwerk, Geduld und Tradition. Aus diesem Material werden die berühmten Bruyereholzpfeifen gemacht.
Ein Leipziger Original sagt leise Servus
Auch Merkers Mischung, der legendäre Hausmarken-Pfeifentabak, durfte nicht fehlen. Wer den Laden kannte, wusste: Hier ging es nicht um schnelle Onlinebestellungen, sondern um Beratung, Reparatur und Leidenschaft. Ein Kunde brachte es im Januar treffend auf den Punkt: "Pfeifenreparatur und Pfeiferauchen liebte Merker – den Onlinehandel hingegen hasste er. Musste er Pakete packen, wurde lautstark geflucht." Gerade diese Ecken und Kanten machten ihn für viele so sympathisch.
Seit dem 1. Januar 2026 weht nun ein frischer Wind durch die Pfeifenstube. Sebastian Gollas von StarkeZigarren aus Berlin hat übernommen. Seine Pläne sind ambitioniert: Pfeifentabake sollen verzehnfacht, das Zigarrenangebot massiv ausgebaut werden. Zigarren sind schließlich das Steckenpferd des Berliner Unternehmens. Auch bei den Pfeifen selbst möchte man Lücken schließen – etwa mit Marken wie Savinelli oder Vauen, die bislang fehlten. Eine moderne Website soll den Verkauf unterstützen, ohne die Seele des Ladens zu verlieren.
Pfeifenstammtisch und Pfeifenreparaturen werden weiter existieren
Gute Nachrichten für Stammkunden: Der Pfeifenstammtisch am zweiten Dienstag im Monat bleibt bestehen. Ab Februar sollen zudem wieder Pfeifenreparaturen und Pfeifenseminare angeboten werden. Langfristig ist ein großer Umbau geplant – inklusive kleiner Zigarren- und Pfeifenlounge, Verkostungen, mehr Spirituosen sowie etwas Wein und Champagner.
Der Abschied von Lutz Merker markiert somit kein Ende, sondern einen Übergang. Die LVZ hat diesen Moment eingefangen – als würdevollen Abgang eines Mannes, der Leipzigs Pfeifenkultur geprägt hat, und als Auftakt für ein neues Kapitel im Peterssteinweg 5. “Die Sächsische Pfeifenstube ist deutschlandweit eine anerkannte Institution in den Bereichen Pfeifen und Pfeifentabak”, bestätigte Anfang Januar einer der ersten Kunden. “Selbst in Internetforen kann man das nachlesen.”
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